
Das Forschungsprojekt „Mystik und Moderne“ wurde von der VolkswagenStiftung im Rahmen des Programms „Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften“ über einen Zeitraum von drei Jahren, von 2003 – 2006, gefördert.
Das Projekt wurde geleitet von Professor Dr. Klaus Vondung und Professor Dr. K. Ludwig Pfeiffer vom Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften der Universität Siegen, in Kooperation mit Professor Dr. Frederick Gregory und Professor Dr. Stephen A. McKnight, Department of History der University of Florida.
Wissenschaftliche Mitarbeiter waren Dr. Ingo Berensmeyer, Dr. Luca Di Blasi und Dr. Dr. Christoph F. E. Holzhey an der Universität Siegen sowie Dr. Anna-K. Mayer an der University of Florida.
Naturmystik, Biomystik und Cybermystik: Hinter diesen Begriffen verbirgt sich das Ziel, mystische Denkbewegungen und Weltbilder in den Naturwissenschaften, der Biologie und den Informationswissenschaften herauszuarbeiten und damit auch „Moderne“ und moderne „Wissenschaft“ in neuem Licht erscheinen zu lassen. Das international und interdisziplinär zusammengesetzte Forscherteam unter Leitung von Professor Dr. Klaus Vondung und Professor Dr. K. Ludwig Pfeiffer vom Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medien-wissenschaften der Universität Siegen untersuchte im Zuge des Vorhabens „Mystik und Moderne“ in drei Themenbereichen mystische Vorstellungen. Dabei ging es den beteiligten Wissenschaftlern nicht um esoterische Gegenbewegungen gegen die Moderne, sondern um mystische Vorstellungen in der Moderne. Denn wenn man die Moderne inhaltlich bestimmt sieht durch cartesianisches Weltbild, rationalistische Denkmethode, Verweltlichung und das dominierende Auftreten der Naturwissenschaften mit deren technischen Auswirkungen, so ist festzustellen, dass es auch innerhalb der Moderne stets gegensätzliche Weltbilder gegeben hat. Eben diese – von den Wissenschaftlern als „mystisch“ bezeichnet – wurden in dem internationalen Gemeinschaftsvorhaben zum Thema gemacht.
Die Forschergruppe untersuchte Weltbilder, in denen entsprechende Erfahrungsauslegungen und Weltdeutungen vorkommen. Sie gingen bei ihren Untersuchungen von der Beobachtung aus, dass die unterschiedlichen Wissenschaften immer wieder von dem Verlangen nach Vereinheitlichung und Ganzheit getrieben werden und dass sie bei diesem Bestreben oft die herkömmlichen Grenzen ihrer Wissenschaften transzendieren. Mit dem Begriff „mystisch“ wollen die Wissenschaftler das Verlangen nach Einheit und die Konstruktion von Einheit zum Ausdruck bringen – nicht nur im Blick auf die zu erkennenden Phänomene und die Erkenntnisinstrumente, sondern darüber hinaus mit Blick auf die Konstellation von Subjekt und Objekt, von Mensch und Natur, letztlich von Mensch und dem „Absoluten“ (Gott). Inhaltliche und strukturelle Gemeinsamkeiten mit traditionellen mystischen Weltbildern lassen sich in Kernbereichen moderner Wissenschaft und Kultur aufspüren, in Kosmologie und Quantenphysik, in den Biowissenschaften und der Computertechnologie. Sie zeigen sich z.B. in „holistischen“ Weltbildern, in Spekulationen über die Vereinigung des Bewusstseins mit dem Datenuniversum des „Cyberspace“ und eine „transhumane“ Existenz der künftigen Menschheit, oder in der neurowissenschaftlichen Analyse subjektiver Erfahrung.
Aus dem Forschungsprojekt sind in den Jahren 2006 – 2008 die folgenden vier Bände hervorgegangen.